EZB-Referenzkurs: Was ist das?
Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026von Daniel Vöckler
Kurz beantwortet
Der EZB-Referenzkurs ist der Euro-Wechselkurs, den die Europäische Zentralbank an jedem Arbeitstag gegen 16 Uhr für rund 30 Währungen veröffentlicht. In der Buchhaltung dient er als neutrale, nachprüfbare Grundlage, um Fremdwährungsbeträge in Euro umzurechnen.
Was der EZB-Referenzkurs ist
Der EZB-Referenzkurs ist ein täglich veröffentlichter Mittelkurs zwischen Euro und Fremdwährungen. Er entsteht aus einem Abstimmungsverfahren zwischen Zentralbanken und wird an Arbeitstagen gegen 16 Uhr MEZ veröffentlicht. Er dient zur Information, nicht für Handelsgeschäfte.
Für die Buchhaltung hat er drei Vorteile:
- Neutral: Er stammt nicht vom Zahlungsanbieter, sondern von einer öffentlichen Stelle.
- Nachprüfbar: Jeder kann den Kurs eines bestimmten Tages später abrufen.
- Steuerlich anerkannt: Für die Umsatzsteuer kann statt des amtlichen Monatskurses der Tageskurs genutzt werden.
Der Kurs wird als „1 Euro = x Fremdwährung“ angegeben, etwa 1 EUR = 1,0850 USD.
Rechenbeispiel: USD-Zahlung über PayPal
Ein Kunde zahlt am 12. März 100,00 USD per PayPal. Der EZB-Referenzkurs an diesem Tag sei 1,0850 USD je Euro.
- Umrechnung: 100,00 ÷ 1,0850 = 92,17 €
- PayPal-Gebühr: 3,99 USD ÷ 1,0850 = 3,68 €
Später wechselt PayPal das Guthaben zu einem eigenen Kurs in Euro und überträgt 91,20 € an die Bank. Gebucht waren 92,17 − 3,68 = 88,49 € Guthaben. Die Differenz von 2,71 € ist eine Kursdifferenz.
Typische Kontierung im SKR03 (PayPal-Guthaben als eigenes Finanzkonto):
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Zahlung 100 USD | PayPal-Konto | 8400 Erlöse | 92,17 € |
| Gebühr 3,99 USD | 4970 Nebenkosten Geldverkehr | PayPal-Konto | 3,68 € |
| Kursgewinn | PayPal-Konto | 2660 Erträge aus Kursdifferenzen | 2,71 € |
Typische Kontierung im SKR04:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Zahlung 100 USD | 1815 PayPal-Konto | 4400 Erlöse | 92,17 € |
| Gebühr 3,99 USD | 6855 Nebenkosten Geldverkehr | 1815 PayPal-Konto | 3,68 € |
| Kursgewinn | 1815 PayPal-Konto | 4840 Erträge aus Kursdifferenzen | 2,71 € |
Ob die Zahlung im Inland mit 19 % zu versteuern ist, hängt vom Kunden ab. Das Beispiel nutzt das Erlöskonto 19 % nur zur Veranschaulichung.
Typische Fehler bei Fremdwährung
Fremdwährungsfehler fallen oft erst bei der Abstimmung des Anbieterkontos auf. Diese Muster sind häufig:
- Anbieterkurs statt Referenzkurs: Wer mit dem Kurs aus der Auszahlung bucht, mischt Umrechnung und Wechselkosten.
- Kurs nicht gespeichert: Ohne gespeicherten Kurs lässt sich die Umrechnung bei einer Prüfung nicht reproduzieren.
- Uneinheitliches Datum: Mal Zahlungsdatum, mal Auszahlungsdatum. Lege einmal fest, welches Datum gilt, und bleib dabei.
- Kursdifferenzen ignoriert: Bleibt die Differenz zwischen Buchwert und Auszahlung ungebucht, steht das Anbieterkonto nie auf null.
Bezug zu Zahlungsanbietern
Fremdwährung ist vor allem bei PayPal ein Thema, weil viele internationale Kunden dort in USD, GBP oder CHF zahlen. PayPal kann mehrere Währungsguthaben führen und rechnet beim Wechsel mit eigenem Kurs um. Stripe rechnet für die Auszahlung ebenfalls mit eigenem Kurs, sodass der ausgezahlte Euro-Betrag leicht vom gebuchten Wert abweichen kann. Auch Adyen und Paddle verarbeiten Zahlungen in vielen Währungen.
Für die GoBD muss jede Umrechnung später reproduzierbar sein. Wer den Kurs nur einmalig in einer Tabelle nachschlägt und nicht speichert, kann das bei einer Prüfung kaum belegen. Den PayPal-Fall im Detail zeigt PayPal-Fremdwährung buchen, den Gesamtprozess der PayPal DATEV Export. Warum der reine CSV-Export hier an Grenzen stößt, vergleicht finHero vs. PayPal-CSV-Export.
Welches Datum ist das Belegdatum?
Bei Fremdwährung entscheidet das Datum über den Kurs. Üblich ist das Datum, an dem die Zahlung beim Zahlungsanbieter eingeht, also das Datum der Transaktion. Das Datum der Auszahlung ist dafür ungeeignet, weil es Tage später liegen kann und mehrere Zahlungen bündelt. Wichtig ist vor allem Einheitlichkeit: Ein Mal festgelegt, gilt die Regel für alle Zahlungen und Monate.
Dokumentiere die gewählte Regel in deiner Verfahrensdokumentation. Dann kann jeder später nachvollziehen, warum eine USD-Zahlung vom 12. März mit genau diesem Kurs umgerechnet wurde, auch wenn die Auszahlung erst am 15. März kam.
So löst finHero das
finHero rechnet Fremdwährungszahlungen zum EZB-Referenzkurs des Belegdatums um und speichert die verwendeten Kurse historisiert mit Datum und Quelle. Kurs und Basisbetrag werden im Export ausgewiesen, Wechselkursdifferenzen exportiert finHero als eigene Buchungen. So bleibt jede Umrechnung reproduzierbar.
Hinweis: Die Kontierungen sind typische Beispiele. Kontenzuordnung und steuerliche Behandlung stimmst du mit deiner Steuerkanzlei ab. finHero lässt dich alle Konten frei konfigurieren.
FAQ
Häufige Fragen
Welcher Kurs gilt am Wochenende?
Am Wochenende und an Feiertagen veröffentlicht die EZB keinen Kurs. Üblich ist dann der zuletzt veröffentlichte Kurs vor dem Belegdatum.
Muss ich den EZB-Kurs verwenden?
Nicht zwingend. Für die Umsatzsteuer erlaubt § 16 Abs. 6 UStG neben dem amtlichen Monatskurs auch den Tageskurs der EZB. Wichtig ist, dass du einheitlich vorgehst und die Methode dokumentierst.
Warum weicht die Auszahlung vom umgerechneten Betrag ab?
Zahlungsanbieter rechnen mit eigenen Kursen und Aufschlägen um. Die Differenz zwischen gebuchtem Eurowert und tatsächlicher Auszahlung ist eine Wechselkursdifferenz.
Autor
Daniel Vöckler
Gründer der d-automation GmbH
Daniel Vöckler hat finHero aus dem eigenen Buchhaltungsproblem mit Stripe heraus entwickelt: Beim Aufbau von SepaHeld wurden Stripe-Zahlungen jeden Monat von Hand für DATEV aufbereitet. Heute exportiert finHero Zahlungsdaten für mehr als 200 Unternehmen.
Mehr über finHero und das Team · Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026
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