Reverse Charge: Was ist das?
Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026von Daniel Vöckler
Kurz beantwortet
Reverse Charge ist das Verfahren, bei dem nicht der leistende Unternehmer, sondern der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet, in Deutschland geregelt in § 13b UStG. Es gilt vor allem für Leistungen zwischen Unternehmen über Ländergrenzen hinweg, etwa wenn du an einen Merchant of Record im Ausland lieferst oder Gebühren eines ausländischen Zahlungsanbieters bezahlst.
Was Reverse Charge bedeutet
Reverse Charge kehrt die Steuerschuldnerschaft um. Normalerweise stellt der Verkäufer Umsatzsteuer in Rechnung und führt sie ab. Beim Reverse-Charge-Verfahren rechnet der Verkäufer netto ab, und der Käufer meldet die Umsatzsteuer in seinem Land an.
Für dich ist Reverse Charge in zwei Richtungen relevant:
- Ausgangsseite: Du erbringst eine Leistung an ein Unternehmen im EU-Ausland. Du rechnest netto ab, der Empfänger versteuert. Typisch ist ein eigenes Erlöskonto, 8336 im SKR03 bzw. 4336 im SKR04.
- Eingangsseite: Ein ausländischer Anbieter stellt dir Leistungen in Rechnung, zum Beispiel Gebühren. Du schuldest die deutsche Umsatzsteuer und ziehst sie bei Berechtigung als Vorsteuer ab.
Wichtig: Reverse Charge ist kein Steuersparmodell. Die Steuer wird nur an anderer Stelle erhoben.
Rechenbeispiel: Paddle-Erlös als Reverse Charge
Ein Kunde in Deutschland kauft deine Software über Paddle für 49,50 € netto plus 9,41 € Umsatzsteuer, also 58,91 € brutto. Paddle ist Merchant of Record und führt die 9,41 € Umsatzsteuer selbst ab. Für die Abwicklung behält Paddle 5,20 € Gebühr ein. Dein Anteil: 58,91 − 9,41 − 5,20 = 44,30 €.
Gebucht wird der Erlös gegenüber Paddle ohne Umsatzsteuer, die Gebühr separat. Paddle steht als eigener Debitor in der Buchhaltung, hier beispielhaft 21000:
Typische Kontierung im SKR03:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Erlös gegen Paddle (Reverse Charge) | 21000 Debitor Paddle | 8336 Erlöse Reverse Charge | 49,50 € |
| Paddle-Gebühr | 4970 Nebenkosten Geldverkehr | Paddle-Guthabenkonto | 5,20 € |
Typische Kontierung im SKR04:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Erlös gegen Paddle (Reverse Charge) | 21000 Debitor Paddle | 4336 Erlöse Reverse Charge | 49,50 € |
| Paddle-Gebühr | 6855 Nebenkosten Geldverkehr | 1813 Paddle-Guthaben | 5,20 € |
Auf den Erlös entsteht bei dir keine deutsche Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer gegenüber dem Endkunden hat Paddle abgeführt.
Typische Fehler bei Reverse Charge
Reverse-Charge-Fehler sind meist Zuordnungsfehler zwischen Ausgangs- und Eingangsseite:
- MoR-Erlöse mit Umsatzsteuer gebucht: Erlöse gegenüber Paddle oder Lemon Squeezy werden wie Inlandsumsätze behandelt.
- Gebühren ohne Reverse Charge: Rechnungen ausländischer Anbieter werden mit Inlandsvorsteuer gebucht, obwohl die Steuerschuld auf dich übergeht.
- USt-IdNr. nicht geprüft: Ohne gültige USt-IdNr. des Empfängers ist Reverse Charge bei Ausgangsleistungen nicht anwendbar.
- Mit OSS verwechselt: B2B-Leistungen gehören nicht in die OSS-Meldung.
Bezug zu Zahlungsanbietern
Reverse Charge betrifft Zahlungsanbieter auf zwei Wegen. Erstens bei Paddle und Lemon Squeezy: Beide sind Merchant of Record und kaufen deine Software rechtlich ein, um sie an Endkunden weiterzuverkaufen. Deine Erlöse sind deshalb Leistungen an Paddle bzw. Lemon Squeezy, die im Reverse-Charge-Verfahren gebucht werden.
Zweitens bei Gebühren: Viele Zahlungsanbieter sitzen im EU-Ausland, Stripe Payments Europe etwa in Irland. Für ihre Gebühren kann die Steuerschuld auf dich übergehen. Ob das so ist und welcher BU-Schlüssel gilt, entscheidet deine Kanzlei.
Reverse Charge ist nicht mit dem One-Stop-Shop (OSS) zu verwechseln. OSS betrifft Verkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern. Den MoR-Fall vertieft Paddle und Lemon Squeezy buchen (Merchant of Record), ein konkretes Beispiel zeigt Paddle zu DATEV. Den Überblick über alle Anbieter gibt Zahlungsanbieter nach DATEV exportieren.
Reverse Charge in Österreich und der Schweiz
Das Prinzip gibt es in der ganzen EU, also auch in Österreich. Dort wird die Leistung an einen Merchant of Record ebenfalls als Reverse-Charge-Erlös gebucht, mit einem eigenen Steuercode im BMD-Export. In der Schweiz heißt der Mechanismus Bezugsteuer und folgt eigenen Regeln. Wie Paddle- und Lemon-Squeezy-Erlöse dort erfasst werden, legst du mit deinem Treuhänder fest.
Für den Export bedeutet das: Das Reverse-Charge-Erlöskonto und der passende Steuercode werden je Zielsystem getrennt hinterlegt, weil sich Kontonummern und Steuerlogik zwischen DATEV, BMD, bexio und Abacus unterscheiden.
So löst finHero das
finHero bucht Paddle- und Lemon-Squeezy-Umsätze als Reverse-Charge-Erlöse gegen den Anbieter als Debitor. Das Reverse-Charge-Erlöskonto und das Debitorenkonto des Merchant of Record legst du frei fest. Für Gebühren hinterlegst du einen eigenen Buchungsschlüssel, zum Beispiel für Reverse Charge.
Hinweis: Die Kontierungen sind typische Beispiele. Kontenzuordnung und steuerliche Behandlung stimmst du mit deiner Steuerkanzlei ab. finHero lässt dich alle Konten frei konfigurieren.
FAQ
Häufige Fragen
Muss auf einer Reverse-Charge-Rechnung Umsatzsteuer stehen?
Nein. Die Rechnung weist keine Umsatzsteuer aus, enthält aber den Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ und die USt-IdNr. beider Seiten.
Kostet mich Reverse Charge auf Eingangsleistungen Geld?
Bei vollem Vorsteuerabzug in der Regel nicht. Du schuldest die Umsatzsteuer und ziehst sie im selben Voranmeldungszeitraum als Vorsteuer wieder ab.
Welcher BU-Schlüssel gilt für Reverse Charge in DATEV?
Für empfangene Leistungen aus dem EU-Ausland wird häufig BU-Schlüssel 94 genutzt. Für Erlöse nutzt man ein eigenes Reverse-Charge-Erlöskonto. Die genaue Kombination legt deine Kanzlei fest.
Autor
Daniel Vöckler
Gründer der d-automation GmbH
Daniel Vöckler hat finHero aus dem eigenen Buchhaltungsproblem mit Stripe heraus entwickelt: Beim Aufbau von SepaHeld wurden Stripe-Zahlungen jeden Monat von Hand für DATEV aufbereitet. Heute exportiert finHero Zahlungsdaten für mehr als 200 Unternehmen.
Mehr über finHero und das Team · Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026
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