One-Stop-Shop (OSS): Was ist das?
Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026von Daniel Vöckler
Kurz beantwortet
Der One-Stop-Shop (OSS) ist ein EU-Verfahren, über das du Umsatzsteuer auf Verkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern zentral beim Bundeszentralamt für Steuern meldest und zahlst. Er gilt unter anderem für digitale Dienstleistungen und Fernverkäufe, sobald deine grenzüberschreitenden B2C-Umsätze in der EU 10.000 € pro Jahr übersteigen.
Was der One-Stop-Shop ist
Der One-Stop-Shop vereinfacht die Umsatzsteuer für grenzüberschreitende Verkäufe an Privatkunden in der EU. Seit Juli 2021 gilt: Verkaufst du digitale Leistungen oder Waren an Verbraucher in anderen EU-Ländern, fällt die Umsatzsteuer des Käuferlandes an. Ein Kunde in Frankreich zahlt französische Umsatzsteuer, ein Kunde in Italien italienische.
Damit du dich nicht in 26 Ländern registrieren musst, meldest du alle diese Umsätze über eine Stelle, das Bundeszentralamt für Steuern. Das BZSt verteilt die Steuer an die einzelnen Länder.
Die wichtigsten Regeln:
- Schwelle: 10.000 € pro Jahr für grenzüberschreitende B2C-Umsätze in der EU, für alle Länder zusammen.
- Steuersatz: der Satz des Käuferlandes, zum Beispiel 20 % in Frankreich, 22 % in Italien, 21 % in den Niederlanden.
- Meldung: vierteljährlich, getrennt von deiner deutschen Umsatzsteuer-Voranmeldung.
- Nur B2C: Verkäufe an Unternehmen fallen unter Reverse Charge.
Rechenbeispiel: Verkäufe nach Frankreich und Italien
Ein deutsches SaaS-Unternehmen verkauft im Quartal per Stripe an Privatkunden:
- Frankreich: 10 Abos à 100,00 € netto, 20 % USt = 1.200,00 € brutto, davon 200,00 € USt
- Italien: 5 Abos à 100,00 € netto, 22 % USt = 610,00 € brutto, davon 110,00 € USt
OSS-Meldung für das Quartal: 200,00 € an Frankreich und 110,00 € an Italien, zusammen 310,00 €.
Typische Kontierung im SKR03:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Erlöse Frankreich (OSS) | 1361 Geldtransit Stripe | 8331 Erlöse EU-OSS | 1.200,00 € |
| Erlöse Italien (OSS) | 1361 Geldtransit Stripe | 8331 Erlöse EU-OSS | 610,00 € |
Typische Kontierung im SKR04:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Erlöse Frankreich (OSS) | 1461 Geldtransit Stripe | 4331 Erlöse EU-OSS | 1.200,00 € |
| Erlöse Italien (OSS) | 1461 Geldtransit Stripe | 4331 Erlöse EU-OSS | 610,00 € |
Viele Kanzleien führen pro Land ein eigenes Erlöskonto oder nutzen Steuerschlüssel je Land, damit die OSS-Meldung direkt aus der Buchhaltung ablesbar ist. Ein eigenes Konto je Land erleichtert die Auswertung, ist aber nicht vorgeschrieben.
Typische Fehler beim OSS
OSS-Fehler entstehen meist, weil Daten zum Kundenland fehlen oder B2B und B2C vermischt werden:
- Schwelle übersehen: Die 10.000 € gelten für alle EU-Länder zusammen. Wer nur auf ein Land schaut, überschreitet sie unbemerkt.
- B2B über OSS gemeldet: Verkäufe an Unternehmen mit USt-IdNr. gehören nicht in die OSS-Meldung.
- Deutscher Steuersatz statt Käuferland: Oberhalb der Schwelle gilt der Satz des Käuferlandes.
- Doppelt gemeldet: OSS-Umsätze dürfen nicht zusätzlich in der deutschen Voranmeldung als steuerpflichtige Inlandsumsätze erscheinen.
Bezug zu Zahlungsanbietern
Für OSS brauchst du je Zahlung das Land des Kunden und den angewendeten Steuersatz. Stripe liefert diese Daten, wenn du Stripe Tax nutzt. PayPal, Mollie, Adyen und GoCardless liefern keine Umsatzsteuerdaten zur Transaktion. Ihre Erlöse müssen deshalb über deine Rechnungen oder ein Klärungskonto dem richtigen Steuerfall zugeordnet werden.
Paddle und Lemon Squeezy sind ein Sonderfall: Als Merchant of Record verkaufen sie selbst an die Endkunden und führen die Umsatzsteuer weltweit ab. Für diese Umsätze brauchst du in der Regel kein OSS.
Wie du Transaktionsdaten für Umsatzsteuer und OSS-Meldung aufbereitest, zeigt Transaktionsdaten für die Steuer exportieren. Die passenden Konten in beiden Kontenrahmen stehen unter SKR03 / SKR04. Den Rahmen beschreibt Online-Zahlungen in der Buchhaltung.
OSS und Buchhaltung: Was du brauchst
Für eine saubere OSS-Meldung brauchst du drei Angaben je Verkauf: Land des Kunden, Steuersatz und Nettobetrag. Am einfachsten ist es, wenn diese Daten schon in der Buchhaltung getrennt sind, etwa über ein Erlöskonto oder einen Steuerschlüssel je Land. Dann lässt sich die Quartalsmeldung direkt aus den Konten ablesen.
Achte darauf, dass Erstattungen und Gutschriften ebenfalls dem richtigen Land zugeordnet werden. Eine Erstattung an einen französischen Kunden mindert die französische Umsatzsteuer, nicht die deutsche. Auch Korrekturen aus früheren Quartalen werden in der OSS-Meldung gesondert berücksichtigt.
So löst finHero das
finHero bucht Stripe-Umsätze mit Stripe-Tax-Daten auf das Erlöskonto EU-OSS, optional auf ein eigenes OSS-Erlöskonto je EU-Land. Länder ohne eigenes Konto laufen über das allgemeine OSS-Konto, der Steuersatz des Käuferlandes kommt aus Stripe Tax. Für den Export nach BMD hinterlegst du zusätzlich einen eigenen Steuercode für OSS.
Hinweis: Die Kontierungen sind typische Beispiele. Kontenzuordnung und steuerliche Behandlung stimmst du mit deiner Steuerkanzlei ab. finHero lässt dich alle Konten frei konfigurieren.
FAQ
Häufige Fragen
Muss ich mich für OSS registrieren?
Nicht zwingend. Ohne OSS müsstest du dich in jedem EU-Land registrieren, in dem du über der Schwelle Umsätze mit Privatkunden machst. OSS ist die einfachere Alternative und wird beim Bundeszentralamt für Steuern beantragt.
Wie oft wird die OSS-Meldung abgegeben?
Quartalsweise, bis zum Ende des Monats nach Quartalsende. Die Meldung erfolgt über das BZSt-Online-Portal.
Gilt OSS auch für Verkäufe an Unternehmen?
Nein. Verkäufe an Unternehmen mit gültiger USt-IdNr. in anderen EU-Ländern laufen in der Regel über Reverse Charge, nicht über OSS.
Brauche ich OSS, wenn ich über Paddle oder Lemon Squeezy verkaufe?
Für diese Umsätze in der Regel nicht, weil der Merchant of Record gegenüber den Endkunden verkauft und die Umsatzsteuer abführt. Für Verkäufe über andere Kanäle kann OSS trotzdem relevant sein.
Autor
Daniel Vöckler
Gründer der d-automation GmbH
Daniel Vöckler hat finHero aus dem eigenen Buchhaltungsproblem mit Stripe heraus entwickelt: Beim Aufbau von SepaHeld wurden Stripe-Zahlungen jeden Monat von Hand für DATEV aufbereitet. Heute exportiert finHero Zahlungsdaten für mehr als 200 Unternehmen.
Mehr über finHero und das Team · Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026
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