Merchant of Record buchen: Paddle und Lemon Squeezy in DATEV
Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026von Daniel Vöckler
Kurz beantwortet
Beim Merchant of Record verkauft der Anbieter selbst an deinen Endkunden und führt die Umsatzsteuer ab. Du leistest an Paddle oder Lemon Squeezy. Deshalb bucht man diese Umsätze nicht als Inlandserlös mit 19 %, sondern als Reverse-Charge-Erlös gegen den Anbieter als Debitor. Gebühren gehen separat aufs Gebührenkonto, Abos werden über den pRAP abgegrenzt.
Paddle und Lemon Squeezy sind bei SaaS-Gründern und Indie-Hackern beliebt, weil sie dir die weltweite Umsatzsteuer abnehmen. Genau das macht sie in der Buchhaltung zum Sonderfall. Wer die Auszahlungen wie Stripe-Umsätze bucht, weist Umsatzsteuer aus, die er nie geschuldet hat. Dieser Artikel zeigt, wie du einen Merchant of Record richtig buchst, mit Rechenbeispiel in SKR03 und SKR04. Er gehört zum Leitfaden Zahlungsanbieter nach DATEV exportieren, der alle sieben Anbieter vergleicht.
Was ein Merchant of Record ist
Ein Merchant of Record ist der Anbieter, der gegenüber deinem Endkunden rechtlich als Verkäufer auftritt. Er stellt die Rechnung an den Endkunden, berechnet die Umsatzsteuer des Kundenlandes und führt sie ab. Du verkaufst dein Produkt an den Merchant of Record, und er verkauft es weiter.
Das Gegenmodell ist der Zahlungsdienstleister. Stripe, Mollie, Adyen und GoCardless wickeln nur die Zahlung ab. Verkäufer bleibst du, und du schuldest die Umsatzsteuer.
| Frage | Zahlungsdienstleister | Merchant of Record |
|---|---|---|
| Wer stellt die Rechnung an den Endkunden? | Du | Paddle bzw. Lemon Squeezy |
| Wer führt die Umsatzsteuer des Endkunden ab? | Du | Paddle bzw. Lemon Squeezy |
| Wer ist dein Debitor? | Dein Kunde | Paddle bzw. Lemon Squeezy |
| Erlöskonto | Nach Steuerfall | Reverse Charge |
Warum die Buchung als normaler Erlös falsch ist
Wer Paddle-Auszahlungen als Inlandserlös mit 19 % bucht, schuldet dem Finanzamt Umsatzsteuer, die gar nicht angefallen ist. Ein Beispiel macht das sichtbar.
Paddle überweist dir 1.190,00 €. Bucht man den Betrag auf 8400 (SKR03) bzw. 4400 (SKR04), rechnet DATEV daraus 1.000,00 € netto und 190,00 € Umsatzsteuer. Diese 190,00 € meldest du in der Voranmeldung. Paddle hat die Steuer beim Endkunden aber bereits eingezogen und abgeführt. Gleichzeitig fehlt der Gebührenaufwand, weil nur der Nettobetrag gebucht wurde.
Richtig ist eine Reverse-Charge-Betrachtung gegenüber dem Anbieter: Deine Leistung geht an Paddle bzw. Lemon Squeezy, und dein Erlös wird als Reverse-Charge-Erlös ohne deutsche Umsatzsteuer gebucht.
Kontenplan für Paddle und Lemon Squeezy
Jeder Merchant of Record bekommt ein eigenes Debitorenkonto, ein eigenes Guthabenkonto und ein eigenes Transitkonto. So kannst du Paddle und Lemon Squeezy getrennt abstimmen. Die Nummern sind typische Beispiele.
| Zweck | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| Debitor Paddle | 21000 | 21000 |
| Debitor Lemon Squeezy | 21100 | 21100 |
| Erlöse Reverse Charge | 8336 | 4336 |
| Guthabenkonto Paddle | 1213 | 1813 |
| Geldtransitkonto Paddle | 1364 | 1464 |
| Guthabenkonto Lemon Squeezy | 1214 | 1814 |
| Geldtransitkonto Lemon Squeezy | 1365 | 1465 |
| Nebenkosten des Geldverkehrs (Gebühren) | 4970 | 6855 |
| Passiver Rechnungsabgrenzungsposten | 0990 | 3900 |
Rechenbeispiel: ein Jahresabo über Paddle
Ein SaaS-Anbieter verkauft am 1. Oktober ein Jahresabo über Paddle. Paddle berechnet dem Endkunden in Deutschland 1.428,00 € inklusive 19 % Umsatzsteuer. Die Zahlen sind vereinfacht.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Endkundenpreis brutto | 1.428,00 € |
| von Paddle einbehaltene Umsatzsteuer | − 228,00 € |
| Paddle-Gebühr | − 60,00 € |
| Auszahlung an dich | 1.140,00 € |
Deine Einnahme gegenüber Paddle ist der Betrag nach Abzug der Steuer: 1.200,00 €. Davon gehen 60,00 € Gebühr ab. Im Geschäftsjahr bis 31. Dezember gehören 3 von 12 Monaten zu diesem Jahr, also 300,00 €. Die übrigen 900,00 € werden passiv abgegrenzt.
Buchungen in SKR04 (typisch)
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Reverse-Charge-Erlös | 21000 Debitor Paddle | 4336 Erlöse Reverse Charge | 1.200,00 € |
| Zahlungseingang beim Anbieter | 1813 Guthaben Paddle | 21000 Debitor Paddle | 1.200,00 € |
| Paddle-Gebühr | 6855 Nebenkosten Geldverkehr | 1813 Guthaben Paddle | 60,00 € |
| Auszahlung | 1464 Geldtransit Paddle | 1813 Guthaben Paddle | 1.140,00 € |
| pRAP zum 31.12. | 4336 Erlöse Reverse Charge | 3900 pRAP | 900,00 € |
Buchungen in SKR03 (typisch)
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Reverse-Charge-Erlös | 21000 Debitor Paddle | 8336 Erlöse Reverse Charge | 1.200,00 € |
| Zahlungseingang beim Anbieter | 1213 Guthaben Paddle | 21000 Debitor Paddle | 1.200,00 € |
| Paddle-Gebühr | 4970 Nebenkosten Geldverkehr | 1213 Guthaben Paddle | 60,00 € |
| Auszahlung | 1364 Geldtransit Paddle | 1213 Guthaben Paddle | 1.140,00 € |
| pRAP zum 31.12. | 8336 Erlöse Reverse Charge | 0990 pRAP | 900,00 € |
Die 228,00 € Umsatzsteuer tauchen in deiner Buchhaltung nicht auf, weil Paddle sie schuldet. Im Vergleich zur falschen Buchung als Inlandserlös sparst du dir die Korrektur einer zu hohen Umsatzsteuer und weist den Gebührenaufwand korrekt aus. Wie die Abgrenzung bei Abos grundsätzlich funktioniert, zeigt der Artikel pRAP bei SaaS-Abos mit Stripe. Die Logik gilt für Paddle genauso.
Lemon Squeezy: dasselbe Prinzip, andere Gebühren
Lemon Squeezy wird nach demselben Prinzip gebucht, liefert aber keine Gebühren über die API. finHero berechnet sie deshalb mit einem Standardwert von 5 % + 0,50 $ je Bestellung.
Ein Beispiel: Eine Bestellung über 29,00 $ netto ergibt eine berechnete Gebühr von 1,45 $ + 0,50 $ = 1,95 $. Bei 200 Bestellungen im Monat sind das 390,00 $ Gebühren. Liegen deine tatsächlichen Konditionen einen Prozentpunkt darunter, wäre der Aufwand um 58,00 $ zu hoch ausgewiesen. Deshalb gleichst du den berechneten Wert einmal mit deinen echten Auszahlungen ab und passt den Prozentsatz in den Einstellungen an. Danach stimmen Marge und Buchung.
Weitere Unterschiede:
- Mehrere Stores. Hat dein Lemon-Squeezy-Account mehrere Stores, hinterlegst du zusätzlich die Store-ID, damit nur die richtigen Bestellungen exportiert werden.
- Belege. Rechnungs- und Belegdokumente kommen mit in den Export, ebenso die passive Rechnungsabgrenzung für Abos.
- Debitor. Lemon Squeezy bekommt ein eigenes Debitorenkonto, zum Beispiel 21100. Nutzt du Paddle und Lemon Squeezy parallel, bleiben beide Anbieter so in der Offene-Posten-Liste getrennt, und du siehst sofort, welcher Merchant of Record noch Geld schuldet.
So bucht finHero Merchant-of-Record-Umsätze
finHero erkennt Paddle und Lemon Squeezy als Merchant of Record und bucht sie automatisch richtig. Du hinterlegst nur die Konten.
- Anbindung: Paddle per API-Key aus Paddle Billing (beginnt mit
pdl_), Lemon Squeezy per API-Key, optional mit Store-ID. Beides read-only. - Erlöse: Reverse-Charge-Erlös gegen den Anbieter als Debitor.
- Gebühren: bei Paddle die realen Gebühren aus der API, bei Lemon Squeezy berechnet mit einstellbarem Prozentsatz.
- Abgrenzung: passive Rechnungsabgrenzung für Abos aus den Abrechnungsperioden.
- Belege: Rechnungs-PDFs mit Belegliste.
- Auszahlungen: Paddle bietet keine öffentliche Auszahlungs-API, Auszahlungen werden über die hinterlegten Transitkonten abgebildet.
Die Produktseiten mit Beispielstapel findest du unter Paddle zu DATEV und Lemon Squeezy zu DATEV. Verkaufst du parallel über Stripe oder PayPal, gehören alle Stapel in einen gemeinsamen Abschluss. Wie das abläuft, zeigt der Artikel Multi-Provider-Buchungsstapel.
Typische Fehler beim Merchant of Record
- Auszahlung als Inlandserlös mit 19 %. Erzeugt Umsatzsteuer, die du nicht schuldest.
- Endkunden als Debitoren angelegt. Dein Vertragspartner ist der Anbieter, nicht der Endkunde.
- Gebühren ignoriert. Ohne separate Gebührenbuchung ist die Marge zu hoch und das Guthabenkonto geht nicht auf.
- Lemon-Squeezy-Gebühren nie abgeglichen. Der Standardwert passt nicht zu jeder Kondition.
- Jahresabos nicht abgegrenzt. Der volle Jahresbetrag landet im Monat der Zahlung.
Hinweis: Die Kontierungen sind typische Beispiele. Kontenzuordnung und steuerliche Behandlung stimmst du mit deiner Steuerkanzlei ab. finHero lässt dich alle Konten frei konfigurieren.
Preis
Der Preis richtet sich nur nach der Zahl der Transaktionen pro Monat, nicht nach Zahlungsanbieter oder Buchhaltungssystem. Alle Preise netto zzgl. USt.
| Transaktionen pro Monat | Preis pro Monat |
|---|---|
| 1–100 | 29 € |
| 101–500 | 49 € |
| 501–1.000 | 79 € |
| 1.001–2.500 | 129 € |
| 2.501–5.000 | 229 € |
| 5.001–7.500 | 359 € |
| ab 7.501 | 499 € |
7 Tage oder erster Export gratis, je nachdem, was zuerst eintritt · keine Kreditkarte nötig · monatlich kündbar
Ersten Export kostenlos erstellenFAQ
Häufige Fragen
Was bedeutet Merchant of Record?
Merchant of Record ist der Anbieter, der gegenüber dem Endkunden rechtlich als Verkäufer auftritt. Er stellt die Rechnung, zieht die Umsatzsteuer ein und führt sie ab. Paddle und Lemon Squeezy arbeiten so. Du verkaufst dein Produkt an den Merchant of Record, nicht direkt an den Endkunden.
Muss ich auf Paddle-Umsätze 19 % Umsatzsteuer abführen?
In der Regel nicht, weil Paddle die Umsatzsteuer gegenüber dem Endkunden abwickelt. Deine Leistung an Paddle wird im Reverse-Charge gebucht. Welche Regel im Einzelfall greift, hängt vom Sitz der Paddle-Gesellschaft ab, mit der du abrechnest. Die steuerliche Würdigung stimmst du mit deiner Kanzlei ab.
Wie bucht finHero Paddle und Lemon Squeezy?
finHero bucht deine Einnahmen als Reverse-Charge-Erlös gegen den Anbieter als Debitor, zum Beispiel 21000 für Paddle und 21100 für Lemon Squeezy. Gebühren gehen separat auf dein Gebührenkonto. Für Abos erstellt finHero die passive Rechnungsabgrenzung, und Rechnungs-PDFs kommen mit Belegliste in den Export.
Warum berechnet finHero die Lemon-Squeezy-Gebühren?
Weil die Lemon-Squeezy-API keine Gebühren je Transaktion ausgibt. finHero rechnet mit einem Standardwert von 5 % + 0,50 $. Hast du andere Konditionen, gleichst du den Wert einmal mit deinen Auszahlungen ab und passt den Prozentsatz in den Einstellungen an.
Wie werden Paddle-Auszahlungen gebucht?
Paddle bietet keine öffentliche Auszahlungs-API. finHero bildet Auszahlungen über die hinterlegten Guthaben- und Transitkonten ab, sobald die Daten verfügbar sind. Die Bankgutschrift bucht deine Kanzlei gegen das Transitkonto.
Autor
Daniel Vöckler
Gründer der d-automation GmbH
Daniel Vöckler hat finHero aus dem eigenen Buchhaltungsproblem mit Stripe heraus entwickelt: Beim Aufbau von SepaHeld wurden Stripe-Zahlungen jeden Monat von Hand für DATEV aufbereitet. Heute exportiert finHero Zahlungsdaten für mehr als 200 Unternehmen.
Mehr über finHero und das Team · Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2026
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